8. Vielfältige Bildungslandschaft – in die Zukunft investieren

Für ein breiteres und besseres Angebot für Kinder und Familien, von der Kita über Sport- und Spielplätze bis zur weiterführenden Schule. Für den konsequenten Abbau des Sanierungsrückstaus bei Bildungseinrichtungen und für eine starke Kooperation mit der Viadrina.

Unsere Stadt ist ein Oberzentrum und hat daher auch als Bildungsstandort eine herausragende Bedeutung für die umliegenden Landkreise. Die Bildungslandschaft unserer Stadt ist jedoch durch Schließungen und Zusammenlegungen von Schulen in der Vergangenheit zu stark geschrumpft. Schüler*innen steht im Oberstufenbereich keine ausreichende Auswahl an Schulprofilen mehr zur Verfügung. Die vorhandenen Oberschulen und Gymnasien sind darüber hinaus mit ihren bis zu sieben Zügen zu groß und stoßen immer wieder an ihre räumlichen Kapazitätsgrenzen. Es gibt zu wenige Teilungsräume, um inklusives Lernen und Gruppenunterricht in den Schulen umzusetzen. Wir setzen uns daher nach wie vor für eine weitere Oberschule in Frankfurt (Oder) ein, idealerweise in der Nähe eines vorhandenen Grundschulstandorts und einer vorhandenen Sportstätte. Wir halten eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe für eine sinnvolle Ergänzung der Frankfurter Bildungslandschaft. Diese erweitert die Auswahlmöglichkeiten und entlastet sowohl das einzig frei zugängliche Gymnasium als auch die beiden Oberschulen. Der mit viel Engagement aufgebaute Bildungscampus am Oberstufenzentrum muss baulich und inhaltlich wieder gestärkt werden.

Um den Schulstandort Frankfurt (Oder) zu stärken, setzen sich BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wie bisher intensiv für einen verlässlichen und dauerhaften Sachkostenzuschuss der Stadt an die beiden Schulen in freier Trägerschaft ein. Der städtische Zuschuss stellt zwar eine sogenannte freiwillige Leistung der Stadt Frankfurt (Oder) dar, aber eine eventuelle Schließung einer der beiden Schulen würde die Stadt Frankfurt (Oder) verpflichten, selbst wieder die entsprechenden Schulplätze zur Verfügung zu stellen. Dies wäre mit wesentlich höheren Kosten verbunden und würde die Wahlmöglichkeiten der Eltern und Schüler*innen weiter einschränken.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich für eine strategische Sanierung der sozialen und Bildungseinrichtungen ein. Parkettreparaturen, weil das Dach weiterhin tropft, wie vor einigen Jahren in der Erich-Kästner-Schule, darf es nicht mehr geben. Dabei haben für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN der schrittweise Abbau des Investitions- und Sanierungsstaus sowie die energetische Sanierung der Schulen, Sportstätten und Kindergärten Priorität. Wir setzen uns für die entsprechende Mittelbereitstellung im städtischen Haushalt ein. Des Weiteren halten wir eine*n Hausmeister*in an jeder Schule für sinnvoll – und zwar unabhängig vom Sanierungszustand. Denn deren Arbeit verringert nachhaltig den Instandhaltungsaufwand der Stadt. Hierzu kann man sich an Modellen aus Brandenburg an der Havel und Cottbus orientieren. Sanierungen in Bildungseinrichtungen sind immer anstrengend für Kinder, Eltern und Angestellte. Deshalb sollten alle Betroffenen so frühzeitig und umfassend wie möglich von der Stadtverwaltung in anstehende Sanierungsplanungen und -prozesse einbezogen werden. Dies stärkt die Zufriedenheit, Mitverantwortung und Identifikation mit den Schulen. Wenn Schüler*innen ihre Schule aktiv mitgestalten können, reduziert das auch die Schäden durch Vandalismus.

Eltern und Schüler*innen, die sich in die Gestaltung von Schulaußenanlagen aktiv einbringen wollen, müssen deshalb proaktiv von der Stadtverwaltung unterstützt werden, damit alle rechtlichen Bedingungen eingehalten werden können. Für die Schulen im Stadtteil West halten wir die Schaffung einer Sportanlage (Halle und Außenanlagen) für erforderlich. Nachdem die Sanierung von Schulen lange Zeit Priorität hatte, muss aus unserer Sicht jetzt die Instandsetzung von Sportanlagen verstärkt betrieben werden. Damit werden neben dem Schulsport auch die Aktivitäten der zahlreichen Sportvereine unterstützt.

Die Förderung von Medienkompetenz an unseren Schulen ist eine wichtige Verpflichtung in unserer zunehmend digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt. Auch als hoch verschuldete Stadt muss sich Frankfurt (Oder) dieser Aufgabe stellen und für eine gute technische Infrastruktur und Ausstattung sorgen. Da dies allein aus dem städtischen Haushalt in den nächsten Jahren nicht möglich ist, müssen hierfür gezielt Landes- und Bundesmittel eingeworben und die Möglichkeiten der städtischen Unternehmen (wie zum Beispiel der FIS) genutzt werden. Medienpädagogische Schulungs- und Beratungsangebote, wie z.B. im MGH MIKADO, halten wir für äußerst wichtig und wollen ihre Aktivitäten für die Schulen und Institutionen in der Stadt fördern.

Wir begrüßen ausdrücklich, dass die Stadtverwaltung endlich sogenannte „fifty-fifty“ Projekte ermöglicht, in denen Bildungseinrichtungen an ihren eigenen Strom- bzw. Heizkosteneinsparungen finanziell beteiligt werden.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN unterstützen die gesellschaftlichen Bemühungen um Inklusion. Unsere Stadt braucht eine inklusive Gesamtstrategie, die aufzeigt, wie Inklusion in Kindergarten, Schule, Hort, Jugendförderung und Arbeitsmarkt umgesetzt werden kann.

Ein gesundes und vollwertiges Schulessen ist uns Bündnisgrünen wichtig. Wir halten frisch gekochtes Essen aus schuleigenen Küchen für den besten Weg und setzen uns für eine Mittelbereitstellung ein, wenn Schulen und Kindertagesstätten vom Catering auf eine hauseigene Küche umstellen wollen. Auch für die Gestaltung von ansprechenden Räumen für Pausen und gemeinsames Essen wollen wir finanzielle Mittel bereitstellen.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN wollen die Qualität der Kindertagesstätten und Schulen wieder mehr in den Mittelpunkt der Diskussionen rücken. Gute Bildung und Betreuung beginnt für uns mit gut ausgebildetem Fachpersonal. Wir setzen uns daher für mehr Personalressourcen im Jugendamt ein, um die Praxisberatung und Qualitätsentwicklung in den Kitas begleiten zu können. Außerdem sollte das Jugendamt einen runden Tisch zur Ausbildungsqualität von Erzieher*innen in unserer Region initiieren und leiten, in den Kita-Leiter*innen und Verantwortliche für die Erzieher*innen-Ausbildung einbezogen sind.

Gute Bildung und Betreuung ist nur gemeinsam mit den Eltern möglich. Daher fordern wir Träger und Kollegien auf, Weiterbildungen zu Elternarbeit und Freiwilligenmanagement anzubieten sowie enge Erziehungspartnerschaften zwischen Einrichtungen und Familien anzustreben.

Weil in unserer Stadt immer mehr Kinder leben, sehen wir den Bedarf für eine neue Kita. Diese könnte auch als kommunale Einrichtung entstehen, damit die Stadt leichter auf aktuelle Entwicklungen reagieren und neue Konzepte umsetzen kann.

Für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sind Spielplätze Orte des Lernens, der Bewegungserfahrung und der Kommunikation von Eltern. Wir engagieren uns dafür, dass es Spielplätze in allen Ortsteilen gibt und der Sanierungsrückstau auf Spielplätzen abgearbeitet wird. Kinder und Eltern sollten zudem mit ihren Wünschen stärker bei der Planung und Gestaltung von Spielplätzen einbezogen werden.

Wir wollen die Kita-Träger und Schulkollegien unserer deutsch-polnischen Doppelstadt ermutigen, Begegnungen der Kinder mit unseren Nachbar*innen und deren Sprache zu fördern. Dafür sehen wir viele gute Wege, wie etwa polnische Partnereinrichtungen, die Einstellung von polnischem Fachpersonal oder die Aufnahme von polnischen Kindern. Für einen nachhaltigen Spracherwerb ist es zudem wichtig, dass Polnisch auch beim Schulwechsel nach der Grundschule weiter gelernt werden kann. Entsprechende Möglichkeiten müssen sich deshalb auch in der nächsten Fortschreibung der Schulentwicklungsplanung wiederfinden. Die Idee einer bilingualen deutsch-polnischen Grundschule halten wir für richtig und werden sie weiterhin fördern. Gerade im Bildungsbereich leistet das Frankfurt-Słubicer Kooperationszentrum mit dem Frankfurt-Słubicer Bildungsbeirat und Bildungsforum wichtige Vernetzungsarbeit, die unbedingt fortgeführt werden muss.

Frankfurt (Oder) ist einer von drei Universitätsstandorten im Land Brandenburg. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN setzen sich dafür ein, diesen durch die gezielte Kooperation zwischen Stadt undUniversität weiter zu stärken, um das Potenzial der Europa-Universität Viadrina sowie ihrer Studierenden und Beschäftigten für Stadt und Region besser nutzen zu können. Um Mitarbeiter*innen und Studierende für die aktive Teilhabe am gesellschaftlichen Leben der Stadt zu begeistern, müssen wir ihnen vermitteln, dass sie in Frankfurt (Oder) sehr willkommen sind. Deshalb müssen die Stadtverwaltung und andere städtische Akteur*innen bestehende Projekte unterstützen und neue Projekte fördern, um nicht ein Neben- sondern ein Miteinander zu leben. Um die positive Wahrnehmung der Stadt als Universitätsstandort zu fördern, wollen wir die Öffentlichkeitsarbeit für Kooperationsprojekte verbessern. Außerdem setzen wir uns für mehr niedrigschwellige Formate ein, die den Austausch zwischen Einwohner*innen, Studierenden und Universitätsangehörigen fördern.

In den vergangenen Jahren hat sich an verschiedenen Stellen ein themenbezogener Austausch etabliert, der auch in einer großen Bandbreite von Kooperationsprojekten sichtbar geworden ist. Weiterhin haben Forscher*innen und Studierende der Viadrina ihre Expertise und Ideen fruchtbar in städtische Prozesse eingebracht und so die Stadtentwicklung mitgestaltet. Mit der Verankerung der Kooperation zwischen Stadt und Universität in einem Dezernat wurde nun eine gute Grundlage geschaffen, um diese Zusammenarbeit weiter zu intensivieren. Damit dies gelingt, setzen wir uns dafür ein, dass auch weiterhin innovative Kooperationsprojekte entwickelt und der Transfer von Ideen und Know-how aus der gründungsstärksten Universität des Landes in die lokale Wirtschaft gefördert werden. Ebenso wollen wir die Expertise von Universitätsangehörigen in weitere städtische Prozesse und Entscheidungen einbeziehen und dadurch die Kooperation von Stadt und Universität weiter verstetigen, um diesen Wissensaustausch nachhaltig für die Stadtentwicklung zu nutzen.

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